Historisches

 

Crudenburg

Im Laufe der Jahrhunderte gab es unzählige Besitzer und Bewohner der Crudenburg, deren Genealogie hier unerwähnt bleiben soll, da es langweilt und zu weit führt. Nur die wichtigen Eckpfeiler der Geschichte der alten Wasserburg sollen hier erwähnt werden. Crudenburg, 1363 erstmals erwähnt, war Klevisches Lehen und übte Patronatsrecht auf die Hünxener Kirche aus. Mit dem Tod des Goswin Stecken starb die herrschaftliche Familie auf Crudenburg aus; der Besitz wurde an die Herren von Gartrop verkauft. Im 17. Jahrhundert und zwar 1664 wurde der Turm gebaut und diente in seiner langen Geschichte als Wehrturm (von oben übersieht man sehr gut die Lippe und kann sogar Schloß Gartrop erkennen), Kapelle und Gefängnis. Dicke Kettenringe sind heute noch immer gut in der Wand des heutigen Ateliers erhalten. Die Crudenburg ist im Laufe der Jahrhunderte durch Brand und Zerstörung immer wieder stark verändert worden. Allein der Eckturm und die Wallmauer haben ihr Aussehen kaum verändert. Im 19. Jahrhundert wurde die alte baufällige Burg abgerissen und das Leben spielte sich nur noch innerhalb der Burgmauern, der 'Vorburg' ab; der Hof wurde zu 'Gut Benninghoff'. Der Standort der alten Burg ist heute noch gut auf den eingerichteten Weiden zu erkennen. Das Gebäude stand innerhalb des Grabens, der mit Wasser aus der Lippe gefüllt wurde (der Zulauf als gemauerter Kanal befindet sich auf der linken Seite der Dorfstrasse, wenn man auf den Hof zufährt). Um eine autarke Versorgung im Überflutungsfall zu gewährleisten, wurden die Nutzgärten der Burg auf dem höher gelegenen, quadratischen Platau (noch gut auf der Weide zu erkennen) angelegt1). Der rein landwirtschaftlich genutzte Betrieb verfügte über mehrere kleinere Gebäude (die wohl allesamt einem Brand zum Opfer fielen) und einer Scheune (die ebenfalls dem Brand zum Opfer fiel, aber später mit altem, originalen Eichenständerwerk wieder an anderer Stelle 1844 aufgebaut wurde) und noch das intakte Herrenhaus, welches schon immer als Wohnhaus diente. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Anlage an Familie Maasberg verkauft, die die alte Scheune zu Wohnzwecken umbaute. Nach dem Krieg musste ebenso das vormals prächtige Herrenhaus wieder hergerichtet werden. Ein schwerer Bombentreffer der Amerikaner (Wesel war 1945 hart umkämpfter Rheinübergang für die Aliierten) vernichtete die obere Etage des ehemals prächtigen Hauses.

Die alte Scheune wurde nun einige Jahre als sehr beliebtes Restaurant geführt. Ebenso bekam der Turm damals seine charakteristische Fahne, die ihm sehr gut steht und die den stilisierten Namen Maasberg zeigen soll. Der Turm hatte vorher auch eine Fahne, doch sah sie den alten Bildern nach anders aus. Der Vergleich alter Bilder zeigt ausserdem, dass der Turm in Zeiten des Umbaus unter Maasbergs auch seine Fenster im Obergeschoss bekam. Nach erneutem Besitzwechsel an die Familie Spieker, wurde der Schwerpunkt auf den Ausbau zur kleinen Reitanlage gelegt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es auf Crudenburg schon immer Pferde gegeben hat. Als Treidlerdorf war Krudenburg auch auf Wechselstationen für Pferde angewiesen, die auch für die harte Arbeit des 'Kähne-Schleppens' gebraucht wurden. Insofern wird mit dem Pferdebetrieb eine alte Tradition fortgeführt.

Nach dem Kauf 2011 legten wir den Augenmerk auf die Sanierung der verschiedenen Gebäude unter Berücksichtigung der neuesten Energiestandards und auf modernen Wohnkomfort. Bei so alten Gebäuden ist man jedoch nie fertig mit reparieren, ausbessern und verschönern und sollten wir nicht gestorben sein, werden wir in hundert Jahren noch dran sein..... aber der Weg ist das Ziel.

Um die genaue Lage der Burg ermitteln zu können, legen wir das Fundament frei, welches nur ca. 20 cm unter der Erde liegt. Gabionen, die mit den losen Abbruchsteinen der Burg gefüllt werden, sollen den Verlauf sichtbar machen. Die gefundenen Schieferplatten, lassen auf ein graues Dach der Burg schliessen. Die roten Backteine geben noch einen guten Eindruck der wohl roten Burg, die umrundet von Wasser in einer Niederung stand. Unzählige Glasscherben, zeigen, dass die alte Burg auch einige Fenster aufwies. Direkt neben dem Fundament, können direkt in der Erde viele Artefakte gefunden werden, die einen Eindruck von der Vergangenheit auf 'Crudenburg' vermitteln. Damit Pferde, nicht wie in früheren Zeiten, für weitere Zerstörung der Fundstücke mit ihren Hufen sorgen, ist der Bereich mit Zaun geschützt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auszüge aus der Literatur 1), 2), 3) ergeben folgende Darstellungen der Crudenburg:

1642 wurde die Crudenburg an Alexander von Velen, Herr zu Raesfeld, verkauft. Aus dieser Zeit ist ein Inventarverzeichnis der Crudenburg von 1658 bekannt. Die sehr detaillierte Aufzählung von Baulichkeiten nennt im Haupthaus einen Saal, Vorsaal, die Kapelle, Schlafkammern und das Zimmer der Hofdamen. Über eine Wendeltreppe gelangte man in den 1. Stock, wo 8 Zimmer gleicher Schönheit waren. Darüber befanden sich der Korn- und der Taubensöller. Gesondert lag der Wirtschaftstrakt mit Küche Viehstallung, Malz-Darre, Brauhaus, Brand- und Backhaus. Ein Brunnen mit Pumpe und ein Gefangenenturm (Anm. Es kann sich hier nur um einen zweiten Turm gehandelt haben, da der noch bestehende Wehrturm erst 1664 gebaut wurde) mit Taubenschlag rundeten das Bild ab. Am Ende heißt es dann: Ein schöner Garten allernegst umb des Haußes gräfften gelegen mit Alleyen und Lusthäusern. Eine beigelegte grobe Skizze zeigt jedoch nur quadratisch angelegte Beete auf dem begrenzten Raum einer von Wasser umflossenen Insel, aber keine Pavillons. Eine Katasterkarte von 1733 zeigt hingegen, zwei an der Nord- und Westseite als Endpunkte der Alleen verzeichnete halbmondförmige Ausbuchtungen, die als Standorte von inzwischen abgebrochenen Gartenhäusern betrachtet werden können (Anmerkung: Dazu paßt, daß auf dem Areal, das heute als Weide dient, mehrere abgebrochene Meerschaumpfeiffen gefunden wurden, die laut Recherche Mitte des 19. Jahrhundert hergestellt wurden und von den Herren von Crudenburg vielleicht zur Entspannung in einem der Gartenhäuser geraucht wurden. Jedenfalls eine schöne Vorstellung).

Eine Inventarliste von 1658 führt zu der Schlußfolgerung, dass die Herren von Crudenburg nicht sehr herrschaftlich im heutigen Sinne gelebt haben. In 21 Zimmern standen 25 Bettstellen, es waren aber nur 6 Räume mit je 2 Brandrohren zu beheizen. Dass nur ein Cammerstuhl mit einem Messingbecken und 6 Cammerpotte vorhanden waren, mag noch verständlich sein. Die Erwähnung eines einzigen (Wasch)Lampets mit Gießkanne gibt jedoch zu denken. Von den 29 Zinnschüsseln waren nur 6 intakt, 31 Teller (Anmerkung, Unzählige Keramik-Scherben von feinem Geschirr, einige deutlich mit einem C gekennzeichnet wurden im Dreck auf der Weide gefunden.) und 6 Weingläser waren wohl auch nicht für einen größeren Haushalt gedacht. Besteck fehlte völlig. Man darf davon ausgehen, daß in den Krudenburger Gärten wohl nur gelegentlich lustgewandelt wurde.

 

1) Karten und Gärten am Niederrhein, Selbstverlag des Stadtarchivs Wesel 1995

2) Hünxe in alten Ansichten, 1982 Europäische Bibliothek, Zaltbommel-Niederlande

3) HStAD, Karten VII38, Bl.12.

 

Aussage über den Ursprung eines Ortes gibt oft dessen Name. Da Crudenburg an der Lippe liegt und über die Landschaft einer Flußniederung verfügt, bietet es vielen Fröschen und Kröten eine Heimat. Dies hat dazu geführt, dass es zur Anekdote wurde, den Ursprung des Namens gerne in Verbindung mit dem Wort Kröte zu bringen und zudem den Frosch (der ja vom Namen nichts mit dem Namen 'Kröte' zu tun hat) zu einer Art Wappentier für Krudenburg zu erklären.

Dies erscheint jedoch sehr unwahrscheinlich. Ortsnamen wurden schon immer nach geographischen Sonderheiten oder wirtschaftlichen Gesichtspunkten, sei es im Hinblick auf Rohstoffe oder fruchtbares Land, vergeben.

 

Ein Versuch den Wortstamm in Crudenburg zu erklären ergiebt Folgendes:

Im Lateinischen findet man crudus, cruda, crudum - Adjektiv für arg, roh, unreif. Synonyme wären Grad, Abstufung

Eine Übersetzung von Gerhard Köbler aus dem Altdeutschen zeigt für das Wort crocia die Bedeutung 'Krücke, Biegung, drehen, winden'.

Dies scheint alles auf den Verlauf der Lippe hinzudeuten, die vor Jahrhunderten noch über mehrere Nebenarme und Windungen verfügte. Die Lage der Burg und somit auch die Lage eines früheren Siedlungspunktes befand sich wohl von den Armen der Lippe umgeben auf einer Insel. Dies war eine strategisch gute Lage zur Verteidigung des Platzes.

 

Eine Vermutung wäre also, dass der Name Krudenburg, darauf zurückgeführt werden kann, dass schon zur Römerzeiten der Ort über diese Insellage verfügte und den Bewohnern ermöglichte ein trockenes, sicheres Lager inmitten von Flußmäandern errichten zu können. Dieses Lager wäre sicher vor Angriffen und durch eine erhobene, trockene Position wäre der Anbau von Verpflegung möglich gewesen. Spätere Generationen könnten auf dem, von den Römern verlassenen Boden, eine Burg gebaut haben.

 

Den Hobby-Historiker Jürgen Haupt hat die Geschichte Crudenburgs so interessiert, dass er aufgrund eigener Nachforschung mit eigener Zeichnung den Rückbau der Crudenburg nachgestellt hat. Da das Photo des Herrenhauses den Turm vor dem 2. Weltkrieg eindeutig mit gerade abfallendem Dach zeigt, ist es sehr wahrscheinlich, dass der Turm und passend dazu auch die Türme der alten Burg gerade Dächer aufwiesen. Die gewölbte Darstellung basiert wahrscheinlich auf einer künstlerischen Interpretation einer alten Darstellung der Burg aus dem 18. Jahrhundert. Diese Darstellung kann jedoch nicht verifiziert werden, da es keine Belege für das Aussehen der Burg gab.

 

Die Erkundung der Burg wird fortgeführt und auf dieser Seite weiterhin dokumentiert werden.

 

Bei Interesse kann sehr gerne ein Termin zum Rundgang mit Besichtigung des Geländes ausgemacht werden.

Kosten für den Rundgang pro Person 5,-€ inkl. Erfrischung nach dem 'trockenen' Vortrag (Max. 10 Personen).